Spermidin
ist eine Substanz, die im ganzen Körper vorkommt und wachsenden Zellen
bei der Produktion von Kernsäure und Eiweiss hilft. Der Spermidinwert
im Blut wird erhöht, wenn der Stoffwechsel beschleunigt ist und der Körper
grosse Mengen von neuen Zellen produziert, dagegen erniedrigt, wenn der
Stoffwechsel gebremst oder geschwächt ist. Natürliche Umstände, die
den Spermidinwert steigen lassen, sind Wachstum, Schwangerschaft,
Reparatur von Muskelzellen nach starker sportlicher Anstrengung sowie
Regenerierung der roten Blutkörperchen nach Blutverlust bzw. -armut
oder nach längeren Höhenaufenthalten.
Verschiedenste
Krankheiten, die grosse Reparaturen der Gewebe oder Zunahme von Zellen
verursachen, führen zu höheren Spermidinwerten: zum Beispiel
chronische Entzündungen der Gelenke ("Rheuma"), der Leber
(Hepatitis), des Darmes (Colitis) und der Haut (Ekzeme, Psoriasis).
Andere Zustände, bei denen höhere Spermidinwerte resultieren, sind
regenerierende Leberzellen nach einer akuten Alkohol-oder
Chemikalien-Vergiftung, Nikotinmissbrauch, aber auch schnell wachsende
Krebsgewebe. Der Spermidinwert ist ein sehr empfindlicher Test, und
wechselnde Werte können Hinweise auf den Fortschritt oder Rückgang
einer Krankheit geben.
Müdigkeit
ist oft bedingt durch verlangsamten Stoffwechsel (mit niedrigem
Spermidinwert) und kann durch eine schlechte Ernährung, worin zuwenig
Vitamine und Mineralstoffe, z.B. Vitamin B12, Folsäure oder Vitamin B6
und Zink vorkommen oder durch Malabsorption verursacht sein, aber auch
durch Abmagern oder Hungern. Chronischer Vitamin B6-Mangel bewirkt
zumeist einen niedrigen Spermidinwert, ebenso chronischer Zink-Mangel,
denn ohne genügend Zink kann das Vitamin B6 im Körper nicht aktiviert
werden. Diese Mängel finden sich auch bei einem oft stressbedingten
Stoffwechselfehler mit erhöhtem Kryptopyrrolwert im Urin (siehe
sep.Blatt 'Pyrrolurie'). Andere Krankheitsbilder mit einem niedrigen
Spermidinwert sind bestimmte Arten von Gedächtnisstörung, verursacht
z.B. durch chronische Belastung mit Umweltchemikalien (etwa
Chlorkohlenwasserstoff-Verbindungen wie Hexachlorophen). In einem
amerikanischen Gefängnis wurden bei jenen Insassen die niedrigsten
Spermidinwerte gemessen, die die grösste Zahl an Gewalttaten begangen
hatten. Wir nehmen an, dass Kriminalität in direkter Abhängigkeit von
Mangelnahrung vermehrt auftritt.
Bei
Tieren (Katzen) ist als normales Alterungszeichen festzustellen, dass in
allen Körpergeweben, nicht so ausgeprägt im Gehirn, der Spermidinwert
abnimmt. Auch Histamin wird als ein Zeichen zunehmenden Alters eines
Lebewesens weniger gebildet (siehe sep.Blatt 'Histamin'). Bei geschädigten
Bäumen (Tannen) in Gebieten mit stark "verpesteter" Luft hat
man als Zeichen einer natürlichen Verteidigungs-Reaktion in den Nadeln
erhöhte Spermidinwerte gefunden.
Genügende
Einnahme der Vitamine des B-Komplexes, besonders von Vitamin B6, Folsäure
und Vitamin B12, zusammen mit Magnesium, Zink und eventuell anderen
Mineralstoffen sowie der Aminosäuren Methionin (noch vorteilhafter
S-Adenosyl-Methionin) und Taurin, kann die Stoffwechselschwäche beheben
helfen und einen niedrigen Spermidinwert normalisieren. Bei erhöhtem
Spermidin muss die mutmassliche Grundstörung behandelt werden, wozu in
vielen Fällen sogenannte Antioxidantien mit angezeigt sind (Vitamin E,
Vitamin C, Carotin, Zink, Selen u.a.).
Copyright
1991, Institut für angewandte Biologie,
CH - 8640 Rapperswil
Welche
Bedeutung haben Änderungen des Spermidin-Wertes im Vollblut ?
Die
Spermidin-Messung im Vollblut ist ein zuverlässiger Test, um
degenerierende und regenerierende Gewebe (insbesondere des
Gastrointestinaltrakts) festzustellen. Spermidin ist das basische Amin,
welches im Körper für die Synthese von Nukleoproteiden benötigt wird.
Moleküle dieses Spermidinhaltigen Amins liegen längs der Kanten der
Doppelhelix des Nukleoproteids und neutralisieren die Phosphatgruppen,
um ein korrektes Wachstum zu ermöglichen. Wenn Zellen oder Proteine im
Körper zunehmen, steigt der Spermidinwert im Blut über den normalen
Ruhewert von 0,9 mcg/ml an.
An
vielen tausend Patienten wurden die Spermidinwerte über zum Teil fast
zwei Jahrzehnte hinweg periodisch gemessen und es ist daraus einiges zu
lernen: Es gibt physiologische Ursachen, die den Spermidinwert steigen
lassen. Dies sind: Schwangerschaft, Regenerierung der roten Blutkörperchen
und Reparatur von Muskelzellen nach starker sportlicher Anstrengung. Die
wesentlichen pathologischen Zustände, die einen hohen Spermidinwert
verursachen, sind folgende: l. sich regenerierende Leberzellen nach
einer akuten Vergiftung, 2. Colitis ulcerosa und 3. ein wachsender
Tumor. Das bedeutet, dass der erhöhte Spermidinwert das erste Anzeichen
eines Krebsgeschehens im Körper sein kann. Auch die Ausscheidung von
Spermidin im Urin ist bei Krebs erhöht. Bei vielen Krebspatienten wurde
beobachtet, dass die hohen Spermidinwerte auf einen normalen Wert zurückgingen,
wenn sie die Einnahme von Vitamin C auf 10 und mehr gr pro Tag erhöhten.
Diese Aenderung zeigte sich dann auch in anderen biochemischen Werten,
z.B. dem während der Erkrankung hohen CEA-Wert (carcino-embryonales
Antigen) und dem während einer Krebserkrankung ebenfalls hohen
Magnesiumwert im Haar, die dann auf normale Werte fielen.
Krankheitsbilder,
bei denen der Spermidinwert im Blut niedrig ist, sind einige Arten von
Gedächtnisverlust, z.B. bei Vergiftung mit Chlorkohlenwasserstoffen (Hexachlorophen),
und Vitaminmängel, z.B. der Vitamin B6-Mangel bei Pyrolurie (Pyrolurie
ist ein idiopathischer Mangel an Zink und Vitamin B6, der nach aller
Erfahrung - bis jetzt wurden etwa 5000 Patienten mit dieser Krankheit
behandelt - häufig zu Krebs führt, wenn er nicht rechtzeitig behandelt
wird).
Bei
älteren Patienten ergeben sich in verschiedenen Geweben periodisch
krebsartige Veränderungen, doch der mit allen notwendigen Nährstoffen
optimal ernährte Körper kann mit diesen langsam aber sicher fertig
werden. Dieses Tauziehen zwischen den Krebszellen und den Zellen unseres
Immunsystems kann sich in einem periodischen Ansteigen des
Spermidinwertes im Blut widerspiegeln.
Der
Heilungsvorgang einer sich regenerierenden Leber, sich regenerierendes Hämoglobin
(z.B. bei Pyrolurie) oder ein zurückgehender Tumor können leicht überwacht
werden, indem man routinemässig den Spermidinwert im Blut bestimmt.
Copyright:
PBBC 1984