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Pyrrolurie (Malvarie)

von Dr. rer. nat. Dr. med. Carl C. Pfeiffer

(Malvenfaktor im Urin, Malvarie)

 

                             Leiden Sie an Missempfindungen und

                              1. Unverträglichkeit von eiweisshaltiger Nahrung und Medikamenten,

                              2. starkem Atem- und Körpergeruch,

                              3. morgendlicher Übelkeit und Obstipation,

                              4. fehlender Erinnerung an nächtliche Träume,

                              5. engstehenden Vorderzähnen im Oberkiefer,

                              6. weissen Flecken in den Fingernägeln,

                              7. blasser Haut, die kein Sonnenlicht verträgt,

                              8. häufigen Oberbauchschmerzen,

                              9. häufigen Erkältungen und Infektionen,

                            10. Striae der Haut,

                            11. unregelmässigen Menses oder Impotenz,

                            12. Auslösung der vorgenannten Erscheinungen durch Stress,

                            13. gehören Sie einer Familie an, die nur Töchter hat und in der sich die Schwestern ähnlich sehen,

 

                              dann helfen Ihnen:

                              1. Morgens ausreichend Vitamin B6, um sich an den nächtlichen Traum erinnern zu können

                                  (nicht mehr als 2000 mg!),

                              2. morgens und abends 30 mg Zinkglukonat,

                              3. morgens und abends 10 mg Manganglukonat.

 

Der Patient mit Pyrrolurie

 

Der Pyrrolurie-Patient ist in seiner Kreativität der zwanghaften Produktivität des Histadelie-Patienten sehr ähnlich. Bei der Ausscheidung verschiedener Pyrrole im Urin werden dem Organismus Zink und Vitamin B6 (Pyridoxin) entzogen. Wir haben die Vermutung geäussert, dass Emily Dickinson, die Dichterin, und Charles Darwin, der wissenschaftliche Philosoph und Entdecker, Opfer der Pyrrolurie waren (s. Mental and Elemental Nutrients, 1975)

Pyrrolurie - Ursache von Zurückgezogenheit und Alleinsein bei Erwachsenen?  

 

Gedanken über die Bedeutung von Leben und Tod: Die Lebenswerke von Emily Dickinson und Charles Darwin entstanden durch zwei starke Einflüsse. Ihr literarischer und wissenschaftlicher Beitrag wurde seit mehr als einem Jahrhundert gerühmt, während sich die Wissenschaft erst neuerdings mit ihrem zurückgezogenen Leben beschäftigt und die entscheidenden Daten sammelt, die vermuten lassen, dass Emily Dickinson und Charles Darwin an biochemischen Störungen litten, die die körperlichen und psychischen Symptome der Pyrrolurie hervorriefen.

Dickinson und Darwin zeichneten sich beide durch grosse Originalität und Kraft aus. Wegen dieser Kreativität fürchteten und vermieden sie jede Belastung von aussen, die ihr feines Gleichgewicht von Empfindung und Ideen hätte beeinträchtigen können. Jede Veränderung in der Routine oder der Umgang mit Menschen ausserhalb der Familie stellte eine unnötige Belastung dar, die sich als Tremor, Herzjagen, Schlaflosigkeit und (bei Darwin) auch als Übelkeit und Erbrechen bemerkbar machen konnte. Als Darwin und Dickinson 30 Jahre alt wurden, entschlossen sich beide für das freiwillige Exil. Emily Dickinson schrieb lakonisch subjektiv: „Die Seele sucht sich ihre eigene Gesellschaft und schliesst dann die Tür.“

Im Verlaufe ihres Lebens litten sie unter einer Mischung pyrrolurischer Symptome. Beide litten unter Anfällen von Melancholie, vernichtenden Kopfschmerzen, nervöser Erschöpfung, einer Veränderung der Handschrift und der Abhängigkeit von der Familie. Darwin ertrug, meist ohne sich zu beklagen, eine zum Nichtstun zwingende Erschöpfung und Appetitlosigkeit und machte eine so extreme Depression durch, dass es ihm Schmerzen bereitete, etwas zu lesen. Emily Dickinson wurde gegen Tageslicht überempfindlich und litt unter so starken Augenschmerzen, dass auch sie nicht lesen konnte.

Medizinische und psychologische Experten haben die Zurückgezogenheit von Dickinson und Darwin mit psychischen, psychologischen oder einfach physischen Gründen erklärt. Für sie kann Zurückgezogenheit ein Mittel gewesen sein, die erschreckenden Symptome der Pyrrolurie zu bekämpfen. Ein zurückgezogenes Leben erlaubte ihnen regelmässigen Tagesablauf und Essen, genügend Ruhe und, was am wichtigsten ist, das Vermeiden anstrengender Situationen und Erlebnisse und gestattete ihnen, mit ihren brillianten Untersuchungen und dem produktiven Schreiben fortzufahren.

Emily Dickinson lieferte ihre persönliche Erklärung, als sie schrieb: „Wahnsinn ist für den geistig Gesunden so unbegründet.“

Da sie in strenger Zurückgezogenheit lebte, gibt es über Emily Dickinson nur spärliche medizinische Daten. Wir wissen, dass sie ausschliesslich weisse Kleider trug. Sowohl Darwin wie Dickinson verehrten ihre strengen und beschützenden Väter und betrauerten sie bei ihrem Tode sehr. Als sie sich immer stärker zurückzogen, veränderte sich ihre Handschrift und wurde weniger gut leserlich. Als sie jung waren, schätzten Dickinson und Darwin die Gesellschaft  von Freunden, Feiern usw. Als sie älter wurden, zogen sie sich jedoch zurück, mieden selbst die engsten Freunde und korrespondierten nur noch mit ihnen. Pyrrolurie findet sich besonders bei unseren originellsten psychiatrischen Patienten, so dass wir bei der Betrachtung der Erkrankungen von Emily Dickinson und Charles Darwin als erstes daran denken, wenn wir nach einer Erklärung dafür suchen.

 

Die Geschichte des Malvenfaktors, der die Pyrrolurie auslöst

 

Der erste Zusammenhang zwischen einem im Urin vorkommenden Pyrrol und der Psychose beginnt sich mit den Beobachtungen von A. N. Payza aus Kanada abzuzeichnen, der 1958 im Urin mehrerer Probanden, die eine experimentelle LSD-Modell-Psychose durchmachten, eine neue Substanz entdeckte. Die im Urin dieser Patienten nachgewiesene abnorme chemische Substanz wurde später auch im Urin zahlreicher psychiatrischer Patienten nachgewiesen, die niemals LSD oder irgendeine Droge genommen hatten. Dr. A. Hoffer, der mit M. Mahon zusammenarbeitete, wies 1961 den Malvenfaktor bei 27 von 39 schizophrenen Patienten nach. Auch bei einem Drittel der psychiatrischen Patienten, bei denen keine „Schizophrenie“ diagnostiziert worden war, wurde der Malvenfaktor im Urin ebenfalls nachgewiesen. Beim Zusatz von Ehrlich-Reagenz bildete der extrahierte Urin ein lavendelfarbenes Produkt. Dr. Hoffer und Dr. Osmond erfanden 1963 die Bezeichnung „Malvarie“ für malvenpositive Patienten. Bei der Untersuchung Gesunder und psychiatrischer Patienten wiesen O`Reilly und Hughes (1965) den Malvenfaktor bei 11% der „Gesunden“, 24% der gestörten Kinder, 42% der psychiatrischen Patienten und 52% der Schizophrenen nach. Der Wissenschaftler, der das Rätsel um den Malvenfaktor richtig löste, war Donald G. Irvine aus Saskatoon in Kanada. Er fand heraus, dass es sich bei der exakten Struktur des Malvenfaktors chemisch um Kryptopyrrol handelte, das leicht  mit sämtlichen Aldehyden reagiert. Die exakte Struktur des Malvenfaktors wurde vom Biochemiker Arthur Sohler vom Brain Bio Center bestätigt. Da Pyridoxal ein Aldehyd des Vitamin B6 ist, vermuteten wir, dass die Kryptopyrrole einen starken Pyridoxin-Mangel hervorrufen könnten. Das war auch der Fall, und wir stellten darüber hinaus fest, dass der Komplex aus Pyridoxal und Kryptopyrrol übermässig viel Zink aus dem Organismus abtransportierte. Mit diesem Wissen lag die wirksame Therapie auf der Hand, und das Befinden der Patienten mit Malvenfaktor besserte sich, wenn sie mit Vitamin B6 und Zink behandelt wurden. 

 

Pyrrolurie ist eine bessere Bezeichnung als Malvarie

 

Weil bei einem Patienten mit Malvenfaktor zahlreiche Pyrrole im Urin auftreten, empfahlen wir für diese Störung die richtige Bezeichnung Pyrrolurie. Seit 1971 haben wir über 1000 Patienten mit Pyrrolurie beobachtet, die meist prompt auf die Behandlung mit Vitamin B6 und Zink ansprachen.  

 

Kryptopyrrol kann chemisch reagieren

 

Ein Urin, der auf Kryptopyrrole untersucht werden soll, muss mit Vitamin C (einem starken Reduktionsmittel) stabilisiert und umgehend analysiert werden. Weil dies praktisch nicht möglich ist, frieren wir die mit Vitamin C versetzten Urine ein und untersuchen sie nach dem Auftauen an jedem Wochenende. Viele, die mit dem Umgang mit Kryptopyrrol nicht vertraut sind, haben nichtkonservierte Urine und teure Geräte benutzt, konnten aber dennoch kein Kryptopyrrol nachweisen. Das Kryptopyrrol wartet nicht, bis der Massenspektograph angewärmt ist.

 

Pyrrolurie ist eine echte Familientragödie

 

Erinnern Sie sich an den Film „Geschichte eines Betrügers“ mit Sacha Guitry in der Hauptrolle, der damit begann, dass 11 Särge langsam einen von Bäumen gesäumten Weg entlang gefahren wurden? Der Betrüger (dargestellt von einem zehnjährigen Jungen) folgte den Särgen. Er war so ungezogen gewesen, dass man ihn am Abend zuvor ohne Essen ins Bett geschickt hatte. Zum Abendessen gab es im Wald gesammelte Pilze; weil die Pilze aber giftig waren, starb die gesamte Familie – deshalb die Parade von Särgen. Weil er ungezogen gewesen war, blieb der Betrüger am Leben. Ein dramatischer Anfang eines Filmes aber erfreulicherweise eine erdachte Handlung! Die Pyrrolurie hingegen kann in den Familien tatsächliche und sehr ernste Lebenstragödien auslösen.

Ein Arzt und eine Krankenschwester mit Pyrrolurie heirateten. Aus der Ehe gingen 4 Kinder hervor, die Frau erlitt 3 Fehlgeburten. Bei einer der Fehlgeburten handelte es sich um einen Knaben, das Geschlecht der anderen beiden wurde niemals festgestellt. Bei den lebenden Kindern handelte es sich um 4 Töchter, und bei drei Töchtern wurde im Alter von 20 Jahren eine Schizophrenie diagnostiziert. Dank dieser Diagnose haben wir in einer Familie mit vier Kindern drei wandelnde Leichen. Bei einer familiären Pyrrolurie kommt es im falle von Knaben entweder zu Fehlgeburten, Totgeburten oder angeborenen Missbildungen, während die Töchter normal heranwachsen, bis sie im Alter von 15-20 Jahren Belastungen ausgesetzt werden. Infolge der Belastung treten bei der Tochter meist im letzten Jahr auf der Oberschule oder im ersten Jahr auf dem College psychiatrische Schwierigkeiten auf. Die Belastung kann zu Depression (Selbstmord) oder Wahrnehmungsstörungen und Halluzinationen führen.  

 

Pyrrolurie bei der Obduktion von Geschwistern diagnostiziert

 

Beim Morbus Wilson, bei dem der Kupferspiegel im Gewebe hoch ist, kann der Neurologe häufig eine Diagnose stellen, wenn er bei einem Geschwister des Betroffenen eine Muskelbiopsie untersucht! das bedeutet, dass bei einer derartigen familiären Erkrankung ein hoher Kupferspiegel eines Kindes alle übrigen Kinder ebenfalls verdächtig macht. Nur wenn man sich gedanklich damit befasst hat, kann man die Diagnose stellen, oder wie der erfahrenen Arzt es ausdrückt: „Man kann es nur diagnostizieren, wenn man daran denkt.“ 

Bei der Pyrrolurie kann die Obduktion bei einem Geschwister (nach Selbstmord) ein entscheidendes Ereignis sein und den Arzt auf die Möglichkeit hinweisen, dass auch bei anderen Geschwistern Kryptopyrrol im Urin ausgeschieden wird. Wird diese Diagnose nicht in Erwägung gezogen, können sämtliche lebenden Angehörigen wegen ihrer an sich einfach zu therapierenden psychischen Erkrankung falsch behandelt werden. Unbehandelt kann die Pyrrolurie zu einem zweiten Selbstmord unter den Geschwistern führen.

Unser tragischster zweifacher Verlust ereignete sich in einer Familie mit Pyrrolurie-Histadelie in einer weit entfernten Stadt. Das geschah in den 60er Jahren, ehe wir wussten, wie man die Pyrrolurie richtig behandelt. Der Patient stand unter der sorgfältigen Beobachtung des örtlichen Psychiaters, der ihn zur Diagnostik überwies. Wir wiesen bei ihm einen hohen Kryptopyrrol-Wert im Urin und einen Blut-Histaminspiegel von 76 (normal 40 – 70) nach. In der entfernt gelegenen Stadt erschoss er sich. Sein jüngerer Bruder, der in der Armee diente, wurde von dem tragischen Tod in Kenntnis gesetzt und wurde wahnsinnig. Die Armee behandelte den stressbedingten Wahnsinn mit hohen Dosen Chlorpromazin. Bei diesem jüngeren Bruder kam es zur Knochenmarkssuppression und er starb an aplastischer Anämie. Zwei Todesfälle in der Familie innerhalb eines Jahres.  

 

Patienten wurden ohne erkennbaren Grund gesund

 

Im Zeitraum zwischen 1967 und 1971 verabreichten wir den Patienten Vitamine in hohen Dosen und stellten fest, dass es bei einigen jungen Patienten zu einer raschen Besserung kam, obwohl  ihr Histaminspiegel im Blut weder zu niedrig noch zu hoch war. Wir untersuchten zusätzlich in ihrem Urin das Kryptopyrrol und gelangten schliesslich zu der Schlussfolgerung, dass sich das Befinden dieser jungen Patienten besserte, wenn der Malvenfaktor im Urin abnahm und die Dosis von Vitamin B6 erhöht wurde. Die Patienten erhielten zusätzlich Zink, weil uns bekannt war, dass Histamin zusammen mit Zink in den Endknospen der Nervenzellen gespeichert wird. Ende 1971 lieferte ein dramatischer Fall die erforderlichen Daten, mit deren Hilfe die Pyrrolurie (Malvenfaktor) mit dem Zink- und Vitamin B6-Mangel in Zusammenhang gebracht werden konnte.

 

Bei der 15 jährigen Sara wurde in 3 Krankenhäusern eine „Schizophrenie“ diagnostiziert

 

Seit ihrem 11. Lebensjahr war Saras Leben ein Alptraum aus gemischtem psychischem und körperlichem Leiden. In ihrer Anamnese fanden sich chronische Schlaflosigkeit, episodischer Realitätsverlust, Selbstmordversuch durch Erhängen, Amnesie, partielle Krampfanfälle, Übelkeit, Erbrechen und Amenorrhoe. Ihre Knie waren so schmerzhaft (die Röntgenaufnahme ergab schwache Knorpelbildung) und ihr Geist so wahrnehmungsgestört, dass sie langsam mit breit auseinander gesetzten Füssen lief, wie ein Bauer, der einem von müden  Ochsen gezogenen Handpflug folgt. Ihre Hirnwellen und Standard-Blutwerte  lagen im Bereich der Norm. Gruppen von Psychiatern, die sowohl Spezialisten für Fälle bei Jugendlichen und Erwachsenen waren, stellten in drei Krankenhäusern die Fehldiagnosen „Schizophrenie“, „paranoide Schizophrenie“ und „Schizophrenie mit Anfallsleiden“. Bisweilen traten Spasmen ihrer linken Körperhälfte auf, wobei der Fuss zusammengekrallt und die Faust geballt war. Arm und Bein machten dann zuckende Bewegungen. Dabei musste sie festgebunden werden. Eine Psychotherapie erwies sich als wirkungslos, die meisten Tranquilizer verstärkten die Muskelsymptome. Der Kryptopyrrol-Wert im Urin erreichte bisweilen sogar 1000 mcg%. Nachdem bei ihr ein Pyridoxin- und Zinkmangel diagnostiziert worden war, wurde die entsprechende Behandlung eingeleitet.

 

Sara spricht auf Zink und Pyridoxin an

 

Im Laufe der drei Monate, in denen Sara wieder gesund wurde, haben wir viele Fakten über Pyrrolurie gelernt.

 

  1. Ihre Knie brauchten (wie die von Hühnern und Puten) genügend Zink und Mangan, um normale Knorpel und Sehnen zu entwickeln.

  2. Ihr Gehirn benötigte (ebenso wie das Gehirn von Ratten mit Vitamin B6-Mangel) ausreichend Vitamin B6, um fehlerhafte Nachrichten zu verhindern, die

      Krampfanfälle auslösen.

  3. Ihr Gehirn (wie auch das jedes Wahnsinnigen) war lebhaft trotz abnormer Wechselgespräche zwischen den Neuronen, was zu depressiven Verhalten,

      zu Amnesie und Missempfindungen führte.

  4. In ihrem Knochenmark erfolgte (ebenso wie bei der Ratte mit Vitamin B6-Mangel) eine unzureichende Hämoglobin-Synthese mit daraus resultierender

      Anämie mit Pyrrolen und Porphyrinen in ihrem Urin.

  5. Ihre endokrinen Drüsen benötigten (wie die von Ratten ohne Östrus) genügend Zink und Vitamin B6, um einen normalen Menstruationszyklus

      aufzubauen.

  6. Ihre Milz und Leber wurden (wie bei anderen Patienten mit Erythrozyten-Lyse) periodisch mit Erythrozytentrümmern überschwemmt, was die starken 

      Oberbauchschmerzen auslöste. Wenn Sara diese Schmerzen hatte, ging sie vollkommen vornübergeneigt.

  7. Sara litt (wie jede Schwangere mit Vitamin B6-Mangel) an allmorgendlicher Übelkeit, wenn sie nicht ihre morgendliche Vitamin B6-Dosis erhielt.

  8. Bei Sara hatte (wie bei jeder Gruppe von Patienten, die als Schizophrene abgestempelt werden) der Atem einen obstartigen Geruch und sie schwitzte

      bei Zink und Vitamin B6-Mangel.

  9. Sara reagierte (wie alle Tiere mit Vitamin B6-Mangel) auf Tranquilizer und Barbiturate paradox, weil ihre Gewebeenzyme unter Vitamin B6-Mangel litten 

      und die Medikamenten nicht entgiften konnte.     

10. Schliesslich gestatteten die Beobachtung von Saras Symptomen und der Biochemie, eine „leicht behandelbare Form der Schizophrenie“

      zu erklären. Sie litt offensichtlich nicht an einer echten „Schizophrenie“, obwohl man ihr in 3 Krankenhäusern diesen Stempel aufgedrückt hatte.

      Bei ihrer schweren Erkrankung ist kein Rezidiv eingetreten, sie hat den College-Abschluss und arbeitet heute in New York City. Sie nimmt

      täglich Zink und Vitamin B6. Bei Stress steigert sie ihre Vitamin B6-Dosis.

     

      Mark Vonnegut (der Sohn des Satirikers Kurt Vonnegut) schrieb das Buch „Eden Express“, nachdem er von seiner Pyrrolurie geheilt war. Mark litt 

      unter Schlaflosigkeit, als er im College „verrückt“ wurde. Man muss sein Buch lesen, um die Schwierigkeiten zu verstehen, auf die ein Patient in 

      psychiatrischen Krankenhäusern stösst. Bei seiner Untersuchung im Brain Bio Center am 19.2.1973. litt Mark an einer schweren Pyrrolurie.

      Es kam bei Marak zu der üblichen raschen Besserung, als er täglich Zink und ausreichend Pyridoxin erhielt, um sich an seine Träume zu erinnern.

      Das grosse Ereignis des Jahres 1973 war unser Entdeckung, dass sich  Patienten mit Vitamin B6-Mangel nicht an ihre Träume erinnern können.

      Wenn sie ausreichend Vitamin B6 erhalten, können die meistern Pyrrolurie-Patienten sich an den letzten nächtlichen Traum erinnern.

      Bei zu viel Vitamin B6 kann ein Patient in der Nacht alle 2 Stunden durch lebhafte Träume geweckt werden – und sich am Morgen an alle vier erinnern.

 

Erinnerung an den Traum ist beim Gesunden ein normales Ereignis

 

Weil sie wissen, dass wir Biologen sind, machen manche erwachsenen Patienten ein erstauntes Gesicht, wenn wir sie nach der Erinnerung an einen Traum fragen. Manche Erwachsenen erwidern, dass sie seit ihrer Kindheit nicht mehr geträumt haben und glauben deshalb, dass nur Kinder genügend träumen, um ihre Träume am Frühstückstisch zum besten zu geben. Das stimmt nicht! Manche schöpferischen Erwachsenen benutzen die Träume dazu, ihren Geist und ihre tägliche Produktivität zu revitalisieren. So berichtete uns beispielsweise der Musiker Dave Brubeck, dass ihm Träume Ideen für seine musikalischen Kompositionen lieferten. Eine Weile träumte er nicht, aber seit er täglich ausreichend Vitamin B6 zu sich nimmt, hat er wieder lebhafte Träume, die ihm nun wieder bei seiner musikalischen Komposition und komplexen Arrangements helfen.

Wenn Patienten uns fragen, warum wir anstreben, dass sie sich besser an einen Traum erinnern können, sage ich einfach: „Erinnerung an den Traum ist normal. Wir wollen, dass Sie normal sind.“ Ein Pyrrolurie-Patient rief aufgeregt an, um mitzuteilen, dass sein erster neuer Traum von seiner schrecklichen Zeit im psychiatrischen Krankenhaus handelte (eine echte Ich-Entspannung). Er fragte mich, ob ich das bei ihm beabsichtigt habe. Weil ich wie immer stark beschäftigt war, antwortete ich: „Ja!“ und wandte mich dem nächsten traumlosen Patienten zu.

Ein 13jähriges Mädchen hatte in den vergangenen beiden Jahren ausschliesslich Alpträume gehabt und stellte jetzt fest, dass sie nun heitere Träume habe. Ihr einziger Kommentar war, dass „manche Träume schrecklich sexy seien.“ Ich antwortete ihr ganz pragmatisch, dass sie bei diesen Träumen wenigstens nicht schwanger werden könne. Ihre Antwort: „Oh, so weit würde ich nicht einmal in meinen Träumen gehen!“

Auch bei einer anderen 17jährigen Patientin wurden die Alpträume von heiteren Träumen abgelöst. Ihr Psychoanalytiker protestierte, dass ihre Alpträume zum Abbau ihrer inneren Aggressionen nützlich seien und die an deren Stelle getretenen heiteren Träume einen Rückschlag bedeuteten! Ich stellte mich auf Seiten der Patientin, der die heiteren Träume gefielen. Andere nutzen unserer Erkenntnis, um die Pyrrolurie zu diagnostizieren und zu behandeln. Mindesten 20 Ambulanzen in den USA stellen den Kryptopyrrol-Test im Urin an und verabreichen bei der Behandlung von Pyrrolurie-Patienten Zink und Vitamin B6. Die drei Brain Bio Centers in Wichita (Kansas), Plantation (Florida) und Princeton (New Jersey) haben die grösste Erfahrung in der Pyrrolurie-Diagnostik. Wie in der Literatur berichtet wird, sind auch einige orthodoxe Kliniken erfolgreich.

 

„Zinkmangel imponiert als Schizophrenie“

 

So lautet die Überschrift eines Artikels, den Stanton, Donald und Green 1976 in der Dezember-Ausgabe von Current-Psychiatric Digest veröffentlicht haben. diese Ärzte sind am Psychiatric Institute of Columbia, Columbia, South Carolina, tätig. Die Ärzte wiesen auf die Notwendigkeit hin, die Zusammenhänge zwischen Zink und Kupfer bei psychotischen Patienten zu untersuchen.

Bei ihrem psychiatrischen Patienten mit Zinkmangel handelte es sich um einen 18jährigen jungen Mann namens A.G. aus Carolina, der am einem College in Kalifornien Musik als Hauptfach studierte. Unter der sozialen Belastung im College wurde der Patient agitiert und war bei der Aufnahme in einem kalifornischen Medical Center örtlich und zeitlich desorientiert und litt unter ständigen visuellen und akustischen Halluzinationen. Er sprach weder auf 180 mg/Tag Prolixin, noch auf 100 mg/Tag Haldol an. Er wurde nach South Carolina zurückgeschickt und zur weiteren Untersuchung und Behandlung eingewiesen. Als einzige Veränderung wurde bei den Routine-Tests eine Erhöhung der Leberenzyme SGOT, SGPT und LDH nachgewiesen, welche bei Vitamin B6-Mangel zunehmen. Die Hirnwellen zeigten in sämtlichen Ableitungen eine amorphe, langsame Aktivität - wiederum einen Vitamin B6-Mangel. Die Behandlungsversuche mit Fluphenazin, Reserpin und Thioridazin waren erfolglos. Es kam bei ihm zum anfallsweisen Blutdruckanstieg auf 150/120 – einem Zeichen von Kupferüberschuss. Er litt unter Wahnvorstellungen und Halluzinationen, war selbstzerstörerisch und wiederholte auf Fragen langsam die Worte des untersuchenden Arztes. Nach einer Serie von 15 Elektroschock-Behandlungen (ECT) kam es zu einer vorübergehenden Besserung, jedoch war der Patient innerhalb von 10 Tagen nach der ECT genauso psychotisch wie zuvor und versuchte, aus dem Fenster zu springen.

 

Niedriger Zink- und hoher Kupferspiegel erkannt

 

Als alles erfolglos geblieben war, wurden in seinem Blutserum die Spiegel der Spurenelemente untersucht. Der Zinkwert betrug 65 mcg% (unser Normalwert liegt bei 100-120), der Kupferwert 185 (unser Normalwert für Männer beträgt 100 mcg%). Zitat der Verfasser: „Weil sich jede andere Behandlung als unwirksam erwiesen hatte, beschlossen wir, den Patienten so zu behandeln, als litte er an Pyrrolurie, und zu versuchen, Zink und Pyridoxin zu substituieren.“

Nachdem er täglich 160 mg die Zink und zweimal täglich 1 g Vitamin B6 erhielt, wurde der Patient innerhalb von 2 Tagen ruhig und bewusstseinsklarer, konnte sein verschlossenes Zimmer verlassen und sich mit den anderen Patienten auf der Station treffen. Seine Muskelrigidität und der Tremor liessen innerhalb von 2 Tagen nach. Bei anhaltender Besserung war innerhalb eines Monats der Affekt (Emotionen) normal, der Patient machte Zukunftspläne und nahm die Welt um sich herum wahr. Sein überprüfter Psychosegrad (Inpatient Behavior Scale) betrug anfänglich sogar 71 und war bei der Entlassung mit 10 normal. Bei der Nachuntersuchung nach einem Jahr besuchte er wieder das College und fühlte sich wohl, sein Zinkspiegel war nach wie vor niedrig (75 mcg%), während sein Kupferspiegel mit 90 mcg% normal war. Der Patient war voll kooperativ und nimmt weiterhin täglich seine Dosis Zink und Vitamin B6.

Die Ärzte schlussfolgern: „Wir glauben, dass es eine Gruppe von Patienten mit Zinkmangel gibt, der, wenn er durch psychischen Stress kompliziert wird, zum Bild der Schizophrenie führen kann. Wegen des Erfolges und der Gefahrlosigkeit der Behandlung erscheint es lohnenswert, den Versuch zu unternehmen, solche Patienten zu identifizieren und entsprechend zu behandeln.“ Ich kann 1980 nur inbrünstig hinzusetzen: „AMEN! Lasst uns damit anfangen!“

 

Andere Symptome und Zeichen der Pyrrolurie

 

Sara litt an mindestens zehn der klinischen Merkmale, die für die Pyrrolurie charakteristisch sind. Dank unserer fast zehnjährigen Erfahrung mit dieser Krankheit können wir leicht nochmals so viele Zeichen und Symptome hinzufügen. Dadurch können wir die Natur der Pyrrolurie besser erhalten.    

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