Eisen ist mit 4g Bestand das
häufigste essentielle Spurenelement des Organismus. Unterschieden
wird Funktionseisen im Hämoglobin, Myoglobin, Hämeisen- und
Non-Hämeisenenzymen von Speichereisen im Ferritin und Hämosiderin.
Es liegt in den Oxidationsstufen von – 2 bis + 6 vor, wobei nur Fe2+
und Fe3+ für den Stoffwechsel von Bedeutung sind.
Die Regulation des Eisenbedarfes erfolgt über die
Aufnahme im Duodenum und Jejunum, wobei sowohl ionisiertes als auch
Hämeisen resorbiert werden. Im Fleisch liegen 40-60% des Eisens als
Hämeisen vor. Dieses wird in Abhängigkeit vom Bedarf zu 15-35% und
somit effektiver als ionisiertes Eisen über einen Hämrezeptor an den
Dünndarmzellen resorbiert. Die Aufnahme von Nonhämeisen ist
sättigbar und energieabhängig. Sie wird über einen Regelmechanismus
stimuliert, bei welchem der Eisenmangel den Dünndarmzellen über die
Transferrinrezeptor regulierte Aufnahme von Eisen aus dem Serum
angezeigt wird. Daraufhin wird die Expression von
Eisentransportproteinen (v.a. DMT-1) an der dem Darmlumen
zugewandten Zellseite stimuliert, welche eine Aufnahme von
zweiwertigem Eisen ermöglichen. Das dreiwertige Nahrungseisen Fe3+
wird dabei von Ferroxidasen vor dem Transport durch die
Zellmembran in Fe2+ umgewandelt. Im Plasma bindet Eisen
an Transferrin, welches zwei Eisenbindungsstellen besitzt und kann
so transportiert werden. An der Zelle angelangt, wird Transferrin
über einen Transferrinrezeptor gebunden und mitsamt den
Eisenmolekülen in die Zelle aufgenommen, wo es diese bei saurem pH
in den Phagolysosomen der Zelle freisetzt. Gespeichert wird Eisen am
Ferritin, einem intrazellulären Makromolekül, welches zuerst an
seiner Oberfläche Fe2+ wiederum zu Fe3+
oxidiert um es danach als kolloidalen Eisenkern zu speichern. Die
Ferritinkonzentrationen im Plasma korrelieren mit den
Eisenspeicher-beständen im Körper und können daher zur Bestimmung
des Eisenstatus herangezogen werden (1
µg/l
Ferritin entspricht 8 mg Speichereisen). Zu beachten ist dabei, dass
die Plasmaferritinkonzentration durch die Bildung von
Akutphasenproteinen auch bei Entzündungen ansteigt.
Bedarf
Der Tagesbedarf an Eisen beträgt bei
Säuglingen und Kleinkindern 1mg Fe/kg Körpergewicht (Empfehlungen
der DGE 2000), bei Frühgeborenen sogar 2 mg Fe/d/kg Körpergewicht.
Erwachsenen wird eine tägliche Zufuhr von 10 mg für Männer und 15 mg
Eisen für Frauen empfohlen (Schwangere und stillende Frauen
ausgenommen) (Angaben der DGE, 1995). Der therapeutische
Dosierungsbereich liegt bei 10-50 mg für beide Geschlechter.
Erhöhter Bedarf besteht bei
männlichen Adoleszenten aufgrund des Wachstums und Muskelaufbaus
zwischen 11 und 16 Jahren (in dieser Zeit steigt ihre
Hämoglobinkonzentration von 135 auf 150 g/l). Ebenfalls ist der
Bedarf bei adoleszenten Mädchen nach Auftreten der
Menstruationsblutungen, bei jungen Frauen im Menstruationsalter und
bei Schwangeren erhöht. Im Alter sinkt sehr wahrscheinlich die
Resorptionsleistung des Dünndarmes was auch zu einem höheren Bedarf
und häufigem Eisenmangel führt.
Funktionen
Sauerstofftransport
Der Sauerstoff in unserem Organismus könnte ohne
Eisen nicht im Hämoglobin-molekül gespeichert und transportiert
werden. Alle unsere Erythrozyten enthalten molekularbiologisch
gesehen eine beachtliche Menge Hämoglobin (27-30pg Hb/Erythrozyt,
pro Liter Blut sind das bei Männern 155
±
10g
Hämoglobin, bei Frauen 140
±
10g!), welches in jeder seiner 4 Untereinheiten (zwei identische α-
und β-Ketten) ein Fe2+ enthält, das jeweils ein Molekül
Sauerstoff binden kann. Pro Hämoglobinmolekül, werden also maximal
vier Moleküle O2 transportiert. Über diese lebenswichtige
Bindung wird Sauerstoff von seinem Aufnahmeort in der Lunge in das
Gewebe und die Zellen der Peripherie transportiert, wo es für
unzählige Oxidationprozesse gebraucht wird. Aus diesem Grund sind 70
% des gesamten Eisenbestandes im Körper im Hämoglobin gespeichert.
Etwa 4 % befinden sich im Myoglobin, ebenfalls einem Hämprotein,
welches die Diffusion von Sauerstoff aus den Erythrozyten in die
Muskelzellen und deren Mitochondrien erleichtert. Der Rest wird als
Speichereisen in Leber und Milz bereit gestellt.
Elektronenübertragung
Durch Änderung seines
Oxidationsgrades vom zweiwertigen in den dreiwertigen Zustand kann
Eisen Elektronen auf andere Atome übertragen. Durch die Abgabe von
Elektronen und das Freiwerden von Plätzen auf seinen äusseren
Orbitalen, kann es Bindungen mit meistens Sauerstoff-, Stickstoff-
oder Schwefelhaltigen Liganden eingehen, wobei sich jedes mal das
Redoxpotential des Eisens und der neuen Bindung ändert. So nimmt
Eisen am Elektronentransfer und der Oxidation und Reduktion von
Substraten bei verschiedensten Prozessen teil. In den äusseren
Membranen der Mitochondrien werden in der sogenannten Atmungskette
Elektronen an molekularen Sauerstoff übertragen bis H2O
gebildet wird. Dabei entsteht die lebensnotwendige Energie, die
zahlreiche biochemischen Prozesse der Zellen antreibt. An dieser
Elektronentransportkette sind sechs verschiedene Cytochrome
beteiligt, Hämproteine, an denen die Elektronen-übertragung ohne den
Akzeptor Eisen nicht funktionieren würde.
Enzymaktivität
Zahlreiche Enzyme des Organismus sind
eisenabhängig und steuern vor allem Oxidations- und
Reduktionsschritte im Stoffwechsel. Dazu gehören die Gruppen der
Oxidoreduktasen, Monooxigenasen und Dioxigenasen. Hier seien nur
einige wichtigen Enzyme aus diesen Gruppen einzeln genannt. Die
Ribonukleotid-reduktase (eine Oxidoreduktase) katalysiert den
Reaktionsgeschwindigkeits-bestimmenden Schritt der DNA-Synthese. Die
Aminosäuremonooxignasen bewirken die Bildung des Serotoninvorläufers
5-Hydroxytryptophan und des Dopaminvorläufers L-Dopa. Die Bildung
ungesättigter Fettsäuren wird durch Fettsäuredesaturasen ermöglicht.
Zu der Gruppe der Dioxigenasen gehören u.a. Lipoxygnasen (Leukotriensynthese),
Peroxidasen (Lipidperoxidation) und NO-Synthasen, die den
wichtigsten Vasodilatator NO bilden. Auch die gemischtfunktionellen
Oxidasen der Cytochrom-P450-Familie, die einige hundert Reaktionen
des Fremdstoff- und somit auch Medikamenten-Metabolismus vermitteln,
sind eisenhaltige Enzyme. Bei einem Eisenmangel nimmt die Aktivität
der meisten dieser Enzyme ab, wobei jedoch die klinischen
Manifestationen selten auf die Dysregulation eines einzelnen Enzyms
hinweisen.
Ursachen für Mangel:
Vereinfacht gesagt kommt es zum
Eisenmangel entweder durch verminderte Zufuhr von Eisen durch die
Nahrung bzw. eine ungenügende Resorption im Dünndarm oder durch
meist blutungsbedingte Eisenverluste oder gesteigerten Eisenbedarf.
Erwachsene Männer und Frauen nach der Menopause kommen mit ungefähr
10mg Eisen/Tag in der Nahrung aus. Etwa 1mg Eisen verlieren wir
täglich über die physiologische Zellmauserung im Magen-Darm-Trakt
und über abgestorbene Hautzellen. Dies wäre also der minimale
Basisbedarf, den wir ohne weiteren Stoffwechsel täglich einholen
müssten. Berechnungen haben gezeigt, dass der Basisbedarf einer 55kg
schweren Frau von ca. 0.8mg Eisen/Tag während einer
Menstruationsblutung von 20-30ml auf etwa 1.3mg/Tag erhöht wird (Biesalski
et al.). Wenn man bedenkt, dass Frauen während ihres
Menstruationsalters zusammengezählt über 5 Jahre lang Blutverluste
in Kauf nehmen, ist es nicht erstaunlich, dass gerade bei dieser
Bevölkerungsgruppe ein gesteigerter Bedarf an Eisen besteht und die
häufigsten Eisenmangelanämien oder Eisenmangelsyndrome zu finden
sind.
Ebenfalls erhöht ist der Eisenbedarf
wie eingangs erwähnt bei Jugendlichen in der Wachstumsphase, bei
Säuglingen, vor allem Frühgeborenen und Kleinkindern und bei
Schwangeren. Der Eisenbedarf während einer Schwangerschaft steigt
auf ungefähr 1g Eisen/Tag an. 270-300mg Eisen nimmt der Fetus auf,
ca. 450mg werden für die gesteigerte Erythropoese der Mutter
benötigt und ein grosser Rest geht über die Plazenta, den
epithelialen Zellverlust während der Schwangerschaft und blutreiche
Geburten verloren.
Gravierender Eisenmangel kann bei
Fehlernährung z.B. durch phytatreiche, vegetarische oder veganische
Nahrung oder durch Schlankheitsdiäten provoziert werden bzw. findet
sich leider mit besonders hoher Prävalenz bei mangelernährten
Kindern in den Entwicklungsländern Afrikas, Mittelamerikas und
Südostasiens.
Malabsorption von Eisen ist typisch
bei der mit Gluten-Unverträglichkeit einhergehenden Zöliakie (oder
Sprue). Einem Krankheitsbild, bei dem aufgrund von Zottenatrophie
die Resorptionsleistung von weiten Teilen des oberen Dünndarmes
beeinträchtigt ist. Bei einer chronisch-atrophischen Gastritis oder
infolge von totalen oder auch partiellen Gastrektomien (cave: bei
Magen-Bypass-Operationen) kann es vorkommen, dass bei einer
manifesten Achlorhydrie zu wenig Salzsäure für den Proteinaufschluss
und Lösung des freigesetzten Eisens vorhanden ist. Ebenfalls wird
die Verweildauer des Speisebreis im Duodenum reduziert, wenn dieser
Darmabschnitt nicht vollständig umgangen wird, was die Resorption
des Eisens zusätzlich vermindert. Interessanterweise führt
jeglicher, manifester Eisenmangel zur Schleimhautatrophie im Magen
und Darm, was im Sinne eines Teufelskreises wiederum eine
verminderte Eisenresorption zur Folge hat.
Gefährlich und meistens zu einem
erheblichen Eisenmangel führend sind okkulte Blutungen im
Magendarmtrakt. Durch einen ml Blut, gehen ca. 0.5 mg Eisen
verloren. Meistens werden innere Blutungen auch zuerst über einen
Hb-Abfall im Blut-Labor entdeckt. Ursachen dafür können peptische
Ulzera (i.d.R. Magengeschwüre), benigne Polypen im Darm,
Hämorrhoidalblutungen oder schwerwiegendere Ursachen wie lädierte
Ösophagusvarizen oder Karzinome des Darmes sein.
Seltenere Ursachen für Eisenverluste
sind die intravasale Hämolyse mit Hämoglobinurie oder
tropenmedizinische, parasitäre Erkrankungen Aufnahme-,
Stoffwechselstörungen und Mangel von Folat oder Viatmin B12 führen
zur megaloblastären sog. perniziösen Anämie.
Mangelerscheinungen:
Nach renommierten Schweizer
Eisenzentren (z.B. das ärztliche Eisenzentrum in Binningen, BL)
sollte zwischen den Symptomen eines Eisenmangelsyndroms (IDS - Iron
Deficiency Syndrome) und der Eisenmangelanämie (IDA - Iron
Deficiency Anemia) unterschieden werden. Der Begriff des IDS als
eine Vorstufe der mit einem Hb-Abfall manifesten Eisenmangel-Anämie
wurde neu geprägt, obwohl seine Erscheinungsformen bei vorwiegend
jungen Patientinnen vielen Hausärzten bereits bestens bekannt sein
dürften. Frauen im Menstruationsalter, alte Menschen oder Kinder
leiden zunehmend an ausgeprägten physischen und/oder psychischen
Erschöpfungszuständen. Darin einbezogen sein können bei an sich
„gesunden“ Personen unverhältnismässige Müdigkeit, Energie- und
Lustlosigkeit oder antriebslose bis depressive Stimmungslagen.
Weitere häufige Symptome sind Konzentrationsstörungen, Nacken- und
Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Haarausfall. Insbesondere bei
Kindern kommen bei einem Eisenmangel zuerst körperliche
Leistungsschwäche, Wachstumsstörungen sowie Lern- und
Konzentrationsschwächen vor. Interessanterweise treten die Symptome
bereits Jahre vor dem Auftreten einer Eisenmangel-Anämie mit
Hb-Abfall im Blut und meistens schon bei Ferritinkonzentrationen die
den Wert von 50 ng/ml unterschreiten auf. Ebenfalls sind die
Symptome ausgeprägter bzw. kommen in den Risikogruppen häufiger vor,
je tiefer der Ferritinwert ist.
Obwohl der offizielle untere
Ferritinwert bei 20 ng/ml liegt (und der obere Normwert bei Männern
und Frauen bei 200 ng/ml!), stellen Ärzte in Eisenzentren bereits ab
Werten < 50 ng/ml und klinisch beobachtbaren Symptomen die
Indikation einer Behandlung mit Eiseninfusionen (Indikationskonzept
nach definiertem Clinical Score und IDS-Formel). Denn ihre
zahlreichen dokumentierten Erfahrungen haben gezeigt, dass viele
Frauen im Menstruations-alter über Jahre hinweg Ferritinwerte um 20
ng/ml aufweisen, und sich schon nach einer schnellen
Aufsättigungsphase bei Eiseninfusionen und Ferritinwerten von 150
bis 200 ng/ml (bei Männern übrigens physiologisch) signifikant
besser fühlen als Frauen mit Werten unter 50 ng/ml.
Folgende Stufen des Eisenmangels sind diagnostisch im
Labor fassbar: Zuerst sinkt die Eisenbeladung der Makrophagen
(körpereigene Fresszellen der Immunabwehr) und die Eisenresorption
im Dünndarm wird gesteigert. Dies findet man z.B. häufig bei
passagerem Eisenmangel wie bei Frauen im Zeitraum der
Menstruationsblutung oder bei Blutspendern. Als Folge der
kompensierenden Resorption werden auch schädliche Metalle wie
Cadmium, Blei, Nickel oder Plutonium aufgenommen und vermehrt im
Körper eingelagert. Wenn dann als nächstes die Eisenspeicherbestände
schwinden, kommt es zu tiefem Ferritin im Blut. Das Protoporphyrin
der Erythrozyten kann als Marker einer gestörten Erythroposese im
Eisenmangel erhöht sein. Erst wenn der Eisenmangel länger besteht
findet man im Blutbild zu kleine (mikrozytäre) und eisendefizitäre (hypochrome)
Erythrozyten und damit auch erniedrigtes erythrozytäres und gesamtes
Hämoglobin. Definitionsgemäss geht der manifeste Eisenmangel mit
Hämoglobin- und Erythrozytenkonzentrationen einher, die mehr als
zwei Standardabweichungen unter dem altersentsprechenden Normewert
liegen. Für Erwachsene liegen diese für Hämoglogin bei 155
±
10 g/l für Männer und 140
±
10 g/l für Frauen und für Erythrozyten bei 4,6
±
0,3 x 1012/l für Männer und 5,2
±
0,4 x 1012/l für Frauen. Bei dem oben beschriebenen IDS
können MCHC (mean cell hemoglobin), MCV (manc cell volume) und
Hämoglobin normal sein, wobei jedoch der %-Anteil an hypochromen
oder mikrozytären Erythrozyten im Hämatogramm ansteigt und das
Ferritin sinkt. Ein noch sensitiverer Parameter des funktionellen
Eisenmangels ist die Hb Konzentration in den Retikulozyten, aufgrund
der sehr kurzen Lebensdauer (1-2d) dieser unreifen Blutzellen.
Die Leitsymptome einer mikrozytären,
hypochromen Anämie sind Müdigkeit und Leistungsschwäche, Dyspnoe,
pectanginöse Beschwerden bei kardialer Kompensation, Orthostase
(Absinken des Blutdruckes beim Aufstehen) und Schwindel bis zu
Synkopen. Bei Kleinkindern im Alter von 12-18 Monaten führen bereits
mässige Anämien zu einer signifikanten oft später nicht mehr
reversiblen Störung der Intelligenzentwicklung.
Bei sehr schwerem Eisenmangel sind
zuerst Gewebe mit hohem Zell-Turnover betroffen. Es kann zu Atrophie
der Mundschleimhaut, Zunge und Darmschleimhaut kommen. Die Folgen
sind beeinträchtigte Resorption von Nährstoffen, Schluckstörungen,
Mundwinkelrhagaden und oft auch schnell sichtbar brüchige Nägel und
Haare. Bei einer Anämie in der Schwangerschaft kommen Frühgeburten,
niedriges Geburtsgewicht und erhöhte Morbidität des Neugeborenen
häufiger vor als bei gesunden Schwangeren.
Bei diesen Anzeichen oder bei
beginnenden Erschöpfungszuständen sollte der Hausarzt mit der Frage
nach einer Eisenmangel- oder Anämieabklärung im Blut aufgesucht
werden und danach eine Substitution mit Eisenkapseln oder eine
Therapie mit Eiseninfusionen erwogen werden.